
Die Rechtswissenschaft, auch Jura genannt (lateinisch für „die Rechte“), beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem geltenden Recht. Für dich geht es im Studium der Rechtswissenschaft also darum, bestehende Gesetze auszulegen und auf konkrete Fälle des täglichen Lebens anzuwenden.
Dabei kann es sich um Mietstreitigkeiten oder Autounfälle, aber auch um die Erfüllung von Verträgen oder um Regelungen zwischen dem Staat und seinen Bürgern handeln. Anhand dieser kleinen Aufzählung kannst du bereits die drei Hauptbereiche des Rechts erkennen: Strafrecht, Zivilrecht und Öffentliches Recht.
Das Strafrecht regelt auf Grundlage des Strafgesetzbuches, wie Vergehen oder Verbrechen bestraft werden.
Das Zivilrecht legt fest, wie Rechtsgeschäfte aller Art (zum Beispiel Verträge) juristisch einwandfrei verfasst und angewendet werden. Das Fundament dafür bildet das Bürgerliche Gesetzbuch.
Das Öffentliche Recht wiederum regelt das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat. Dieser Teil der Rechtsordnung schützt uns alle. Zu ihm zählt zum Beispiel das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Auch das Verfahrensrecht, welches unter anderem den formalen Ablauf von Gerichtsverhandlungen festlegt, ist Teil dieses Rechtsbereichs. Sogar staatenübergreifende Rechtsordnungen wie das Völkerrecht oder Europarecht gehören dazu.
Ja klar! Eine der Schwierigkeiten der Rechtswissenschaft wird für dich darin bestehen, als Juristin oder Jurist zwei sehr unterschiedliche Blickwinkel einnehmen zu müssen.
Denn einerseits bewegst du dich in der abstrakten, formalen der trockenen Gesetzestexte und –kommentare. Andererseits bist du auch mit den sich ständig verändernden Lebensumständen der beteiligten Menschen konfrontiert, die auf den ersten Blick recht ambivalent erscheinen. Als Juristin oder Jurist musst du beide Ebenen gleichzeitig berücksichtigen. Deine Aufgabe wird es unter anderem sein, beide „Welten“ analytisch zu durchdringen und miteinander in Einklang zu bringen. Oftmals wirst du also als Juristin oder Jurist die Rolle einer Vermittlerin oder Vermittlers einnehmen.
All diese Dinge lernt man am besten durch viel Übung. Deswegen wird ein großer Teil deines Studiums der Rechtswissenschaft aus der Betrachtung und Analyse von Fallstudien bestehen. Auch verbindliche Praktika während der vorlesungsfreien Zeit werden dir helfen, schon früh einen Einblick in die Praxis zu erhalten.
Gerade zu Beginn deines Studiums stehen auch noch Grundlagenfächer wie Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie auf dem Lehrplan. Dort diskutierst du grundsätzliche Fragestellungen, zum Beispiel was „Recht“ und „Gerechtigkeit“ miteinander zu tun haben. Auch das Verhältnis der Rechtswissenschaft zu anderen Lebensbereichen wie Politik, Sozialstruktur und Wirtschaft wird in deinem Studium berücksichtigt.
Weil die sprachliche Ausdrucksmöglichkeit einen wichtigen Stellenwert für Juristen hat, wirst du fachspezifische Fremdsprachenkurse besuchen müssen. Neben Rechtsenglisch werden auch Rechtsrussisch, - spanisch und -französisch angeboten. Zudem gibt es Workshops für weitere Schlüsselqualifikationen wie Rhetorik, Verhandlungsmanagement oder Mediation.
Du beendest dein Universitätsstudium vorerst mit der Ersten Juristischen Prüfung. Danach folgt der praktische Teil – das Referendariat. Hier wirst du als angehende Juristin oder angehender Jurist jeweils mehrere Monate lang Stationen in verschiedenen Rechtsgebieten durchlaufen. Das Referendariat endet mit der Zweiten Juristischen Prüfung. Erst dann bist du Volljuristin bzw. Volljurist.
Im zweiten Teil deines Studiums kannst du dich auf einen der vielen Bereiche der Rechtswissenschaft spezialisieren. Als mögliche Schwerpunkte kannst du Familien-, Wirtschafts,- Völkerrecht oder Kriminalwissenschaften wählen, um nur einige zu nennen. Infos zu weiteren Wahlmöglichkeiten bekommst du bei der Zentralen Studienberatung der Uni Kiel oder bei den Studienfachberatern der rechtswissenschaftlichen Fakultät . Dort erfährst du auch mehr zu allen anderen Themen rund um die Rechtswissenschaft und dein Studium.
Es gibt vier absolute Kernkompetenzen, die du als angehende Juristin oder angehender Jurist auf jeden Fall mitbringen solltest: überdurchschnittliche Sprachkompetenz, Spaß an analytischem und logischem Denken sowie Fleiß und Selbstdisziplin.
Sprache ist ein kaum zu unterschätzender Aspekt der Rechtswissenschaft. Du solltest von Beginn an in der Lage sein, dich schriftlich und mündlich korrekt und differenziert auszudrücken. Ein Gefühl für feine sprachliche Nuancen ist wichtig, um Gesetzestexte richtig einordnen, analysieren und sicher anwenden zu können.
Da du in den meisten juristischen Berufsfelder häufigen und intensiven Kontakt mit Menschen haben wirst, ist eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit und –bereitschaft sowie eine hohe soziale Kompetenz erforderlich.
Es gibt einen alten Spruch über das Studium der Juristerei: „Juristen haben keine Freunde, nur Bücher“. Und an diesem Spruch ist auch heutzutage noch etwas dran. Du wirst sehr viele, zum Teil nicht immmer leicht zugängliche Bücher lesen müssen. Insbesondere die Prüfungsphasen sind hart und werden dir jede Menge Lerndisziplin abfordern.
Da die Rechtswissenschaft ein beliebtes Studienfach ist, gibt es an der Uni Kiel eine Zulassungsbeschränkung. Das heißt für dich: Du musst dich um einen Studienplatz bewerben. Wie das geht und was du beachten musst, erfährst du beim Studierendenservice - Bereich Bewerbung und Zulassung - der Universität Kiel.
Ziel der juristischen Ausbildung an der Uni Kiel ist es, dich zu einer Volljuristin bzw. einem Volljuristen zu machen. Mit dieser Qualifikation stehen dir vielfältige Betätigungsfelder offen.
Du kannst in der Justiz als Richter/-in, als Staats- oder Rechtsanwältin oder -anwalt oder als Notar/-in arbeiten.
Weitere Berufsmöglichkeiten finden sich in der öffentlichen Verwaltung, zum Beispiel bei Finanzbehörden, dem Zoll, der Polizei oder im Strafvollzug.
Auch die Wirtschaft braucht viele spezialisierte Juristinnen und Juristen. Handel, Banken, Versicherungen, Wirtschaftsverbände oder Medienunternehmen sind auf die Dienste von Juristinnen und Juristen angewiesen.
Über weitere spätere Beschäftigungsmöglichkeiten informiert dich gern die Studienfachberatung.
1. Ein Klischee wurde ja schon angerissen: „Du wirst keine Freunde haben, nur Bücher“!
2. Studierende der Rechtswissenschaft fühlen sich als was Besseres, sind elitär, eitel und oberflächlich.
Zu1.: So stimmt das natürlich nicht! Aber um ehrlich zu sein, wäre es sicher nicht schlecht, wenn du neben deinen Freunden, Kommilitonen oder Mitbewohnern während deines Studiums auch die Bücher zu deinen Freunden machen würdest. Das macht einiges leichter für dich.
Zu 2.: Pauschalurteile sind in der Rechtsordnung nicht vorgesehen. Der Einzelfall sollte betrachtet, analysiert und erst dann abgeurteilt werden.
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Interview aus der Reihe "Steckbrief Studienfächer"
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